Drei Flaschen aus Berlin

Empört hat der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg auf die Ergebnisse der Honorarverhandlungen auf Bundesebene in Berlin reagiert, die mit einem Plus für die Regelversorgung von 1,18 % für das Jahr 2018 endeten.

„Im Ergebnis sind das 70 Cent pro Fall im Quartal mehr. Drei Pfandflaschen vom Discounter, also 70 Cent mehr für die Versorgung im Quartal für einen Patienten – das ist die Botschaft der Bundesebene der Krankenkassen an die Menschen und niedergelassenen Ärzte, wie viel sie ihnen wert sind”, zeigten sich Vorstandschef Dr. Norbert Metke und sein Stellvertreter Dr. Johannes Fechner verärgert. „Unsere Mitglieder gewährleisten in Baden-Württemberg mit etwa 60 Mio. Behandlungsfällen pro Jahr die Versorgung von knapp neun Millionen Patienten. Angesichts des Ärztemangels sind die Wartezimmer voll, so dass die Belastung der Ärzte und ihrer Mitarbeiter heute enorm ist. Die Einnahmen der Krankenkassen sprudeln, das finanzielle Polster, auf dem sie sitzen, steigt seit Jahren durch die positive wirtschaftliche Entwicklung beständig an, von der die Krankenkassen auf Bundesebene die Patienten jetzt loskoppeln. Heute können sie auf Überschüsse in Milliardenhöhe verweisen. Schließlich bezahlen die Patienten und die Unternehmen ihre Beiträge, damit die Krankenkassen die Mittel für deren Versorgung einsetzen.”

Rahmenbedingungen für die Versorgung müssen auf Länderebene festgelegt werden

Metke und Fechner forderten die Politik auf, in der nächsten Legislaturperiode diesem „Unsinn” ein Ende zu setzen. „Wir können nicht länger die Verantwortung für die Rahmenbedingungen der Versorgung in die Hände von Schreibtischtechnokraten in Berlin legen. Wir müssen sie dorthin delegieren, wo die Verantwortlichen näher an der Realität der Versorgung stehen, in den Ländern. Gerade Baden-Württemberg hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass konstruktive und innovative, regionale Krankenkassen sich am Wohl des Kranken orientieren, indem sie optimierte neue Strukturen für eine bessere Versorgung gemeinsam mit den niedergelassenen Ärzten zur Verfügung stellen und damit sehr wohl in der Lage sind, die Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Nicht umsonst kommen wichtige Impulse für die Versorgung vor allem aus den Ländern. Deswegen werden wir nachhaltig auch weiter kassenspezifische Verträge bei der Politik einfordern als Element eines Wettbewerbs um die Versorgung der Kranken.”

Die Vorsitzenden abschließend: „Man braucht im Leben viel – eine aus Berlin realitätsfremd ferngesteuerte Pfandflaschenmentalität in der Versorgung nicht. Gemeinsam mit den Krankenkassen in Baden-Württemberg können wir alles – am besten alleine. Auch eine bessere, am Patientenwohl orientierte Versorgung.”