Grünes Licht für Telemedizin-Projekt
Patienten in den Modellregionen Stuttgart und Tuttlingen können sich ab Frühjahr 2018 bei akuter Erkrankung oder bei dringender Behandlungsbedürftigkeit per Telefon, Video oder im Chat von einem Arzt beraten und behandeln lassen, wenn sie ihren Haus- oder Facharzt nicht erreichen. Die Landesärztekammer Baden-Württemberg hat dem Antrag der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) für ein entsprechendes Modellprojekt grünes Licht gegeben.
Innovatives Versorgungskonzept
Dr. Norbert Metke, Vorstandsvorsitzender der KVBW, freut sich über das Startsignal: „Wir niedergelassenen Ärzte zeigen einmal mehr, dass wir innovativ sind und sinnvolle, von den Menschen im Land gewünschte neue Versorgungskonzepte in Baden-Württemberg auf den Weg bringen.” Dr. Johannes Fechner, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, ergänzt: „Mit DocDirekt etabliert die KVBW als erste Kassenärztliche Vereinigung ein telemedizinisches Verfahren zur Fernbehandlung von Notfällen, soweit das medizinisch möglich ist. Das hat viele Vorteile: Patienten sparen sich Fahrtwege, Arztpraxen und Notfallambulanzen werden entlastet und es wird eine Infrastruktur geschaffen, die eine effiziente Patientenversorgung ermöglicht.”
Startphase für gesetzlich Versicherte in Stuttgart und Tuttlingen
Bei DocDirekt können sich Versicherte der Gesetzlichen Krankenkassen melden, die akut erkrankt sind und ihren behandelnden Arzt nicht erreichen oder keinen Hausarzt haben. Der Service steht in der Startphase nur Patienten aus Stuttgart und Tuttlingen von Montag bis Freitag zwischen 9 und 19 Uhr zur Verfügung. Die Kontaktaufnahme ist via Telefon, Videotelefonie oder Chat möglich. Eine erfahrene und speziell geschulte Medizinische Fachangestellte nimmt die Anfrage entgegen und erstellt ein „Ticket”, das ein Tele-Arzt online über eine webbasierte Plattform aufrufen kann. Der Tele-Arzt ruft den Patienten zurück, erhebt die Anamnese und klärt das Beschwerdebild. Im Idealfall kann er den Patienten abschließend telemedizinisch beraten. Ist eine taggleiche persönliche Vorstellung des Patienten bei einem Arzt notwendig, wird der Patient an eine dienstbereite Haus- oder Facharztpraxis weitergeleitet.
Speziell geschulte Tele-Ärzte
Tele-Ärzte sind ausschließlich an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmende Ärzte, die speziell dafür geschult sind. Die Online-Sprechstunde ist eine Ergänzung zum bisherigen Versorgungsangebot bei akuter und dringender Behandlungsbedürftigkeit. Der Service ist für Versicherte der Gesetzlichen Krankenkassen kostenlos. Nach erfolgreicher Testphase ist vorgesehen, das Angebot sukzessive auch auf andere Regionen in Baden-Württemberg auszuweiten.
Mit dem Unternehmen TeleClinic aus München hat die KVBW einen Partner gefunden, der die Infrastruktur für eine sichere Kommunikation zwischen Tele-Arzt und Patient zur Verfügung stellt. Durch die Nutzung digitaler Technologien wird eine persönliche Kommunikation zwischen Patient und Arzt auch außerhalb der Arztpraxen realisiert.
Nach einer Änderung der Berufsordnung durch die Landesärztekammer Baden-Württemberg (LÄK BW) ist es möglich geworden, unter bestimmten Voraussetzungen die Fernbehandlung in einem Modellprojekt zu erproben. Die LÄK BW hat gestern entschieden, dass die KVBW mit dem Modellprojekt DocDirekt die Voraussetzungen erfüllt.