Wenn Sie Ihre Praxis an die Telematikinfrastruktur (TI) anbinden und deren Anwendungen wie die elektronische Patientenakte (ePA) oder die elektronische Krankschreibung (eAU) nutzen, entstehen Ihnen Kosten für Ausstattung und Betrieb. Als Ausgleich erhalten Sie eine TI-Finanzierungspauschale (KBV: Finanzierung der TI). Diese übertragen wir Ihnen automatisch anhand der jeweiligen Prüfnachweise in Ihrer Quartalsabrechnung.
Welche Euro-Beträge Sie je nach Praxisgröße (Anzahl der Ärzte in der Praxis), dem Zeitpunkt der Erstausstattung oder nach durchgeführtem Konnektortausch erstattet bekommen, haben wir unten für Sie zusammengefasst (TI-Pauschalen 1–3). Gleichzeitig sehen Sie auch, welche Auswirkungen es hat, wenn die Ausstattung in der Praxis ganz oder teilweise fehlt.
So bekommen Sie Ihre TI-Pauschalen
In Ihrem Abrechnungsdatensatz sind bereits alle notwendigen Informationen enthalten. Sie müssen deshalb auch zukünftig keine Rechnungen oder sonstigen Unterlagen bei uns einreichen. Sie bekommen Ihr Geld weiterhin unbürokratisch mit der Abschlusszahlung zum Quartalsende.
Kontrollieren Sie, um mögliche Sanktionen zu vermeiden, selbständig anhand des KBV-Prüfmoduls, ob alle vorhandenen TI-Fachanwendungen korrekt installiert sind.
Da die Prüfnachweise in Ihrem Abrechnungsdatensatz die Anspruchsgrundlage für die TI-Pauschalen darstellen, muss die Abrechnungsdatei fristgerecht zum Einreichungstermin bei uns eingegangen sein.
Hinweis: Zum 1. Januar 2024 wurde die Höhe der TI-Pauschale entsprechend der Veränderung des Orientierungswertes angepasst (§ 10 Abs. 2 der TI-Festlegung).
TI-Pauschale 1
Bedingungen:
Neupraxen ab dem 1. Juli 2023 oder Praxen mit TI-Startdatum zwischen dem Quartal 4/2017 und dem Quartal 4/2020
alle erforderlichen Anwendungen installiert
Anzahl der Vertragsärzte/ -psychotherapeuten in der Praxis
Höhe der Pauschale
Reduzierung der TI-Pauschale auf 50 Prozent, wenn eine Anwendung fehlt*
bis zu 3
246,93 Euro
123,47 Euro
mehr als 3 bis zu 6
293,67 Euro
146,83 Euro
mehr als 6 bis zu 9
336,37 Euro
168,18 Euro
je Gruppe von bis zu drei zusätzlichen Vertragsärzten-/psychotherapeuten
+ 29,70 Euro
+ 14,85 Euro
* Wenn mehr als eine Anwendung fehlt, wird keine Pauschale gezahlt.
TI-Pauschale 2
Bedingungen:
Praxen mit TI-Startdatum zwischen dem Quartal 1/2021 und Quartal 2/2023 – auch wenn der Konnektortausch bereits durchgeführt wurde
alle erforderlichen Anwendungen installiert
Die Pauschale wird für 30 Monate nach der Erstausstattung reduziert – ab dem 31. Monat erhalten die Praxen die TI-Pauschale 1.
Anzahl der Vertragsärzte/ -psychotherapeuten in der Praxis
Höhe der Pauschale
Reduzierung der TI-Pauschale auf 50 Prozent, wenn eine Anwendung fehlt*
bis zu 3
136,74 Euro
68,37 Euro
mehr als 3 bis zu 6
148,81 Euro
74,41 Euro
mehr als 6 bis zu 9
156,85 Euro
78,43 Euro
je Gruppe von bis zu drei zusätzlichen Vertragsärzten-/psychotherapeuten
+ 14,85 Euro
+ 7,43 Euro
* Wenn mehr als eine Anwendung fehlt, wird keine Pauschale gezahlt.
TI-Pauschale 3
Bedingungen:
Praxen mit TI-Startdatum zwischen dem Quartal 4/2017 und Quartal 4/2020 mit Konnektortausch (Erstattung bereits erhalten)
alle erforderlichen Anwendungen installiert
Die Pauschale wird für 30 Monate nach dem Konnektortausch reduziert – ab dem 31. Monat erhalten die Praxen die TI-Pauschale 1.
Anzahl der Vertragsärzte/ -psychotherapeuten in der Praxis
Höhe der Pauschale
Reduzierung der TI-Pauschale auf 50 Prozent, wenn eine Anwendung fehlt*
bis zu 3
207,13 Euro
103,57 Euro
mehr als 3 bis zu 6
252,13 Euro
126,06 Euro
mehr als 6 bis zu 9
293,10 Euro
146,55 Euro
je Gruppe von bis zu drei zusätzlichen Vertragsärzten-/psychotherapeuten
+ 29,70 Euro
+ 14,85 Euro
* Wenn mehr als eine Anwendung fehlt, wird keine Pauschale gezahlt.
Auszahlung & Berechnung der TI-Pauschalen
Nach der seit 1. Juli 2023 geltenden Neuregelung der TI-Finanzierung erhalten Praxen eine monatliche TI-Pauschale anstelle der Kostenerstattung für einzelne TI-Komponenten. Die Auszahlung werden wir jedoch weiterhin quartalsweise mit Ihrer Schlusszahlung zum Ende des jeweiligen Quartals vornehmen. Die Kosten für den TI-Anschluss übernehmen weiterhin die Krankenkassen.
TI-Installation im Quartal
Zahlungstermin TI-Pauschale
Quartal 1
Mitte Juli
Quartal 2
Mitte Oktober
Quartal 3
Mitte Januar
Quartal 4
Mitte April
Berechnung der TI-Pauschalen
Die Höhe der Ihnen zustehenden neuen TI-Pauschale (Pauschalen 1–3) hängt davon ab, wie viele Ärzte/Psychotherapeuten in Ihrer Praxis arbeiten, zu welchem Zeitpunkt die Erstausstattung in der Praxis stattgefunden hat und ob bereits ein Konnektortausch durchgeführt worden ist.
Für die Berechnung der neuen TI-Pauschalen werden die bisherigen Erstattungsbeträge für die TI-Installation, für die Erstanschaffung von Komponenten inkl. Software-Updates sowie für die Anbindung der vorgesehenen TI-Fachanwendungen addiert. Die bisherigen Pauschalen für die Betriebskosten der ersten fünf Jahre (60 Monate) werden zu dieser Summe hinzugezählt. Diese Gesamtsumme wird dann auf die Laufzeit von 60 Monaten aufgeteilt. So ergibt sich ein gleichbleibender monatlicher Betrag.
Hinweis für Neupraxen: Startdatum der TI
Das erstmalige Einlesen einer Versichertenkarte (eGK) und Durchführen eines VSDM setzt in Ihrer Abrechnungsdatei einen Prüfnachweis. Dieser gilt als Startdatum, ab dem Ihre Praxis an die Telematikinfrastruktur angebunden ist. Ab diesem Zeitpunkt können wir Ihnen auch die monatlichen TI-Pauschalen ausbezahlen.
Beispiele
BSNR gültig ab
Zeitpunkt der TI-Installation
erstmaliges VSDM
Anspruch auf TI-Monatspauschalen
1. Januar 2024 (erster Monat im Quartal)
Februar 2024 (zweiter Monat im Quartal)
Februar 2024
Februar und März 2024
Januar 2024 (erster Monat im Quartal)
März 2024
März 2024
März 2024 (dritter Monat im Quartal)
März 2024
März 2024
Finanzierung bei Mehrfachzulassungen
Vertragsarztpraxen, die gleichzeitig über eine vertragszahnärztliche und eine kassenärztliche Zulassung verfügen (z. B. Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen), erhalten ihre TI-Finanzierungspauschalen über die KZV.
Erstattungsbeleg TI-Pauschale (Anlage 22)
Anhand der Anlage 22 zum Honorarbescheid („Übersicht Telematikinfrastruktur Pauschale”) können Sie nachvollziehen, welche Erstattungsbeträge Sie bekommen haben. Dieses Dokument steht ausschließlich in elektronischer Form im Mitgliederportal zur Verfügung:
Menüpunkt „Praxisorganisation”
Unterpunkt „Unterlagen einsehen (Dokumentenarchiv)” in der Dropdown-Liste
Aktentyp „Meldung Telematikinfrastruktur”
Registerkarte „Erstattung TI-Pauschale”
Voraussetzungen: Komponenten und Dienste
Voraussetzung für die Anbindung an die TI sowie Anspruchsgrundlage für die Auszahlung der TI-Finanzierungspauschalen ist die technische Ausstattung Ihrer Praxis mit den folgenden Komponenten und Diensten:
Konnektor inkl. gSMC-K und VPN-Zugangsdienst (ggf. in Rechenzentrum gehostet, sofern dort zugelassene Komponenten und Dienste zum Einsatz kommen, oder TI-Gateway in Verbindung mit Nutzung eines Rechenzentrum-Konnektors) Der Zugang zur TI erfolgt über einen Konnektor – ähnlich einem DSL-Router, allerdings auf einem deutlich höheren Sicherheitsniveau. Erhältlich sind inzwischen drei Konnektoren-Modelle. Wenden Sie sich für die Bestellung an Ihren Systembetreuer. Zusätzlich wird ein spezieller VPN-Zugangsdienst – ähnlich einem Internetprovider, der den Netzzugang bereitstellt – benötigt. Auch diese Dienste müssen zertifiziert werden und finden sich in der Zulassungsliste der gematik.
eHealth-Kartenterminal(s) inkl. gSMC-KT Die neuen E-Health-Kartenterminals sind notwendig, um die elektronische Gesundheitskarte (eGK) einzulesen und deren Online-Anwendungen zu nutzen. Bei Haus- und Pflegeheimbesuchen nutzen Sie ein mobiles Lesegerät, das im Offline-Betrieb arbeitet (kein VSDM!).
elektronischer Praxisausweis/Institutionsausweis SMC-B Smartcard oder SM-B oder eID mit gematik-Zulassung (für Vertragsarztarztpraxen) Den Praxisausweis benötigen Praxen zur Identifikation, damit der Konnektor eine Verbindung zur TI aufbauen kann. Diese sogenannte Security Module Card Typ B-Karte (SMC-B) wird in das Kartenterminal gesteckt. Sie ist zwingend für die TI-Praxisinstallation erforderlich. Bestellen Sie die SMC-B deshalb rechtzeitig bei einem zertifizierten Kartenhersteller: Was Sie zum Praxisausweis (SMC-B) wissen müssen »
Voraussetzungen: Fachanwendungen
Voraussetzung für die volle Auszahlung der entsprechenden TI-Pauschale sind folgende TI-Fachanwendungen (in der aktuell gültigen Version), die Sie über Ihr Praxisverwaltungsprogramm nutzen können:
* Für die mit * gekennzeichneten Anwendungen gelten Ausnahmeregelungen für bestimmte Fachgruppen (siehe unten).
Fachgruppen mit Ausnahmen bei den Fachanwendungen
Für einzelne Fachgruppen, die bestimmte TI-Fachanwendungen im Regelfall nicht nutzen können, hat die KVBW Ausnahmen festlegt. In der tabellarischen Übersicht sehen Sie, welche Anwendungen für Ihre Fachgruppe ab dem 4. Quartal 2023 erforderlich bzw. verzichtbar sind. Die TI-Fachanwendungen bzw. Dienste ePA, KIM, eArztbrief (ab 1. März 2024) sowie eHBA müssen unabhängig davon ausnahmslos von allen Fachgruppen vorgehalten werden.
Fachgruppen mit Ausnahmen bei TI-Fachanwendungen
VSDM-Pflicht
NFDM
eMP
eAU
eRezept**
Anästhesisten
Nein*
Nein
Nein
Nein
Nein
Nuklearmediziner
Ja
Ja
Ja
Nein
Nein
Radiologen
Ja
Ja
Ja
Nein
Nein
Laborärzte
Nein*
Nein
Nein
Nein
Nein
Strahlentherapeuten
Ja
Ja
Ja
Nein
Nein
Pathologen
Nein*
Nein
Nein
Nein
Nein
Psychologische Psychotherapeuten
Ja
Nein
Nein
Nein
Nein
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten
Ja
Nein
Nein
Nein
Nein
Dialyse-Institute
Ja
Ja
Ja
Nein
Nein
Laborgemeinschaft
Nein*
Nein
Nein
Nein
Nein
* Überwiegend ohne Arzt-Patienten-Kontakt bzw. ohne eigene Praxisräume. Bei diesen Fachgruppen gelten Sonderregelungen und somit keine VSDM-Pflicht nach SGB V § 291b. ** Ermächtigte sind von der Regelung zur eRezept-Honorarkürzung bis zum 1. Januar 2025 ausgenommen (§ 360 Abs 17 SBG V).
KBV-Prüfmodul zeigt installierte TI-Module an
Um zu überprüfen, ob die Informationen zum Einsatz Ihrer TI-Fachanwendungen in der Abrechnungsdatei korrekt hinterlegt sind, können Sie sich bereits während des Quartals (durch eine Probeabrechnung) oder spätestens bei der Erstellung der Abrechnung am Quartalsende das KBV-Prüfmodul anschauen. Hier wird Ihnen im Prüfprotokoll angezeigt, ob diese Anwendungen korrekt eingerichtet sind, das VSDM durchgeführt wurde und welche Konnektorversion Sie einsetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren PVS-Hersteller.
TI-Sanktionen
Für Praxen, die sich nicht an die gesetzliche Vorgabe zur Anbindung an die TI und zur verpflichtenden Nutzung der TI-Fachanwendungen halten, sieht der Gesetzgeber unterschiedliche Sanktionen vor.
Neben den bereits bestehenden Honorarkürzungen bei fehlender TI-Anbindung (keine Durchführung des VSDM) und/oder fehlender ePA-/eRezept-Bereitschaft sieht die neue Regelung seit dem 1. Juli 2023 außerdem eine Reduzierung der monatlichen TI-Pauschale vor, wenn eine Praxis eine oder mehrere TI-Fachanwendungen nicht installiert hat.
TI-Anbindung wird von der KVBW geprüft
Mit der neuen Festlegung zur TI-Finanzierung sind wir regelhaft verpflichtet, Ihre Anbindung an die TI zu prüfen. Diese Bewertung findet sowohl anhand der an uns übermittelten Konnektorversion (ab dem Quartal 4/2023 erforderlich: Version 4.x oder höher) als auch anhand des von Ihnen durchgeführten VSDM statt (Ausnahmen für bestimmte Fachgruppen). Wird uns von Ihrer Praxis keine oder nur eine veraltete Konnektorversion übermittelt, können wir Ihnen keine TI-Pauschale ausbezahlen und müssen Ihr Honorar um 2,5 %, bei eRezept-Pflicht ab Q2/2024 um 3,5 % kürzen.
Reduzierung der TI-Pauschalen
Fehlt eine der für Ihre Fachgruppe verpflichtenden TI-Fachanwendungen, wird die TI-Pauschale nach dem Willen des Bundesgesundheitsministeriums um 50 % reduziert. Fehlen zwei oder mehr der notwendigen Fachanwendungen, wird die TI-Pauschale um 100 % reduziert.
Honorarkürzungen
Versichertenstammdatenmanagement (VSDM)
Der Online-Abgleich der Versichertenstammdaten ist beim ersten Patientenkontakt im Quartal für die meisten Fachgruppen verpflichtend (siehe Ausnahmen bei den Fachanwendungen). Der Gesetzgeber verlangt von uns als KV, das Honorar pauschal um 2,5 % zu kürzen, wenn eine Praxis kein Versichertenstammdatenmanagement durchführt. Gekürzt werden muss bis zu dem Quartal, ab dem das VSDM erfolgt (§ 291b Abs. 5 SGB V).
Anhand der Abrechnungsdaten können Sie überprüfen, ob das VSDM in der Praxis durchgeführt wird. Das KBV-Prüfmodul, welches bei der Erstellung der Abrechnung automatisch erstellt wird, erkennt, ob und wie viele VSDMs in den Abrechnungsdaten vorhanden sind.
Elektronische Patientenakte
Praxen, die nicht auf die elektronische Patientenakte (ePA) vorbereitet sind, werden vom Gesetzgeber seit dem 1. Juli 2021 mit 1 % Honorarabzug sanktioniert (§ 341 Abs. 6 SGB V). Ist die Praxis zusätzlich noch nicht an die TI angebunden, bleibt es bei insgesamt 2,5 %.
eRezept
Zum 1. Januar 2024 hat der Gesetzgeber das eRezept als TI-Pflichtanwendung eingeführt. Mit dem Digital-Gesetz kommt ab dem 1. Mai 2024 eine zusätzliche Honorarkürzung in Höhe von 1 % bei Praxen, welche diese TI-Fachanwendung nicht vorhalten, hinzu (§ 360 Abs. 17 SGB V). Ausnahmen für Praxen, welche die TI-Fachanwendung nicht vorhalten müssen und somit auch nicht von dieser Honorarkürzung betroffen sind, finden Sie in unserer Übersicht.
Bitte beachten Sie, dass die Honorarkürzung für das eRezept zu den oben genannten Kürzungen addiert wird. So wird bei Praxen ohne Nachweis der TI-Anbindung bisher eine Honorarkürzung von 2,5 % durchgeführt; diese wird auf 3,5 % (2,5% VSDM + 1% eRezept) steigen. Bei Praxen ohne den Nachweis einer TI-Fachanwendung ePA führt dies zu einer Erhöhung von 1 % Honorarkürzung auf 2 % (1% ePA + 1% eRezept).